Vor den Toren Sienas
Chianti vor den Toren Sienas
Von Sant`Apppiano aus kann man den nächsten Ort im
Chianti Castellina in
Chianti erreichen. Man fährt dazu in Richtung Poggibonsi und schlägt die Staatsstraße SS 429 ein, die hier sehr panoramareich ist. Über eine kurze Abzweigung gelangt man zur alten Pieve Sant`Agnese, die im zweiten Weltkrieg teilweise durch Kanonen zerstört und danach gekonnt wieder hergerichtet wurde. Castellina in
Chianti liegt zwischen den Tälern der Arbia, Elsa und Pesa herrlich auf einem Hügel. Das ganze Gemeindegebiet gehört zum
Chianti Classico. Castellina ist davon auch eines der wichtigsten Zentren und ein in ständiger Entwicklung begriffener Ferienort. Castellina bestand bereits zur Zeit der Etrusker und Römer, war dann im XI. Jahrhundert im Feudalbesitz der Edlen von Trebbio und wurde später ein wichtiger militärischer Vorposten der Florentiner. Der Ort führte im XIII. Jahrhundert auch den Vorsitz in der alten Chianti-Liga. der ebenfalls Radda und Gaiole angehörten. In den beiden Jahrhunderten danach mußte Castellina Überfälle und Plünderungen ertragen. Die Florentiner umgaben es 1400-02 mit Mauern. Es wird beherrscht von der alten Rocca. Dieses Bollwerk besteht aus einem sehr hohen Verteidigungsgebäude und einer noch mächtigeren Zitadelle. Es sind teilweise noch Befestigungen und mittelalterliche Trakte, so z.B. in der Via delle Volte, zu sehen, und ganz allgemein hat sich der Ort sein vom XIV. und XV. Jahrhundert stammendes Aussehen gut bewahrt. Auf dem Land gibt es viele Pächterhäuser aus der Zeit vor und während des Großherzogtums.
Nicht weit vom Zentrum von Castellina entfernt, befindet sich ein großes Etruskergrab aus dem VI. Jahrhundert v.Chr. Es handelt sich hier um die bedeutendste archäologische Entdeckung vor Ort und bezeugt die Besiedlung des
Chianti seit uralter Zeit. Zahlreich und alle sehenswert sind die Kirchen in der Umgebung. Von besonderer Bedeutung ist die einschiffige Kirche mit Apsis San Martino a Cispiano, die ihren romanischen Charakter voll erhalten konnte. Die Kirche San Leonino in Conio besitzt eine Altartafel Muttergottes mit dem Jesuskind von Lorenzo di Bicci.
Geschichtsträchtig ist auch der Ort Fonterutoli, der bereits in einem Dokument von 998 auftaucht. In seiner inzwischen zerstörten
Kirche San Miniato wurde 1201 der Friedensvertrag zwischen Siena und
Florenz unterzeichnet.
Auf der Südseite des
Chianti befindet sich in zwanzig Kilometer Entfernung von Siena die Gemeinde Castelnuovo Berardenga, die mit ihrem Namen auf ihre Ursprünge als befestigter Ort hinweist. Sie liegt auf einem Hügel zwischen dem Ombronefluss und dem Malenabach in einem vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Gebiet, wo sich zur Weinproduktion die Herstellung von schmiedeeisernen Objekten gesellt. Die Burg, von der sich nur ein Turm und wenige Reste erhalten haben, wurde 1366 als letzte in dieser Gegend von Siena gebaut, um damit auf dem Landbesitz der Berardenga den Gebietsanspruch der Stadt deutlich zu machen. Im Ort umgibt ein schöner Park die Villa Chigi Saracini. In der Umgebung ist die Pieve S. Maria Maddalena in Pacina mittelalterlicher Herkunft und trotz mehrerer Umbauten bemerkenswert. Anziehend wirkt der kleine befestigte Ort San Gusme, wo sich noch dessen zwei Steintore mit Flachbögen erhalten haben. In einer reizvollen Hügellandschaft inmitten einer Senke liegt Vagliagli, und daneben ragt das Castello Aiola auf. Auf dem Gebiet dieser Gemeinde hebt sich wegen ihrer Größe die Karthause von Pontignano hervor. Sie wurde 1343 gegründet und in der 2. Hälfte des XVI. Jahrhunderts umgebaut. Zuerst stand sie im Besitz der Mönche von Camaldoli, birgt jetzt ein Universitätskolleg und wird auch für wissenschaftliche Kongresse und Tagungen benützt..
Einen Besuch verdient ebenfalls der zypressenbestandene Hügel von Montaperti, wo eine kleine Pyramide an die berühmte Schlacht vom 4. September 1260 mit dem Sieg Sienas über
Florenz erinnert. Dante Alighieri sagte dazu im X. Gesang der „Hölle", dass sich damals das Wasser der Arbia vom Blut rot färbte.
In Nordrichtung geht es aufwärts nach Gaiole in
Chianti Dieses Zentrum der Weinproduktion und für Ferien auf dem Land ist von grünen, dicht mit Rebhängen bedeckten Hügeln eingerahmt. Gaiole entwickelte sich ab der Mitte des XIII. Jahrhunderts als Marktort. Damals wurde es einer der Hauptorte des Dreigestirns der alten Chianti-Liga, zu der auch Castellina und Radda gehörten. Wenig östlich vom bewohnten Ort entfernt, erheben sich zwischen Wäldchen und Weinbergen zwei mittelalterliche Befestigungsanlagen, die Pieve San Maria a Spaltenna (1 .H.XII.Jh.) und die Ortschaft Vertine. Deren Burg ist seit dem X. Jahrhundert dokumentiert und in einem ovalen Mauergürtel, dessen Zugangstor von einem eleganten Turm überragt wird, eingeschlossen. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten des ganzen
Chianti gehört das Castello di Brolio. Dieses Schloss gehört einem der bedeutendsten hiesigen Weinproduzenten und ist eines der frühesten Beispielen einer Befestigungsanlage mit Bastionen in der Toskana. Es wurde von den Florentinern nach 1484 mit mächtigen polygonalen Mauern über einem früheren Gebäude errichtet. Darin liegt geschützt das schlossartige Wohngebäude, das der Architekt Marchetti 1860 im Geschmack der Romantik für Baron Bettino Ricasoli ausführte. Weitere Burgen in dieser Gegend sind das Castello di Meleto und das Castello Cacchiano. Das erstgenannte wurde wahrscheinlich im XII. Jahrhundert befestigt und im XVIII. Jahrhundert zum herrschaftlichen Gutshof umgebaut. Es stehen noch seine mächtigen Rundtürme; auch gibt es einen entzückenden Theatersaal darin. Die zweite Burg aus dem XIII. Jahrhundert gehört zu den Besitzungen der Ricasoli.
Äusserst eindrucksvoll ist die alte Badia a Coltibuono. Diese 1049 gegründete Abtei war lange im Besitz der Benediktiner und wurde ebenfalls in ein herrschaftliches Weingut verwandelt. Von den Landkirchen sollte man die Pieve San Giusto in Salcio und die Pieve San Polo in Rosso erwähnen.
Beim vorgeschlagenen Fahrtenverlauf gelangt man danach zur letzten Gemeinde des Chianti-Gebiets, nämlich Radda in
Chianti die auf der Wasserscheide zwischen dem Pesa- und Arbiatal liegt. Jetzt ist sie vorwiegend von der Landwirtschaft geprägt (Weinproduktion), kann sich aber auch einer langen Geschichte rühmen. Von den Grafen Guidi gelangte sie 1203 an
Florenz erhielt im XV. Jahrhundert Befestigungen und wurde ab 1415 Hauptort der Chianti-Liga, zu der auch Castellina und Gaiole gehörten. 1478 erlitt sie Zerstörungen durch die Truppen des Herzogs von Kalabrien. Vom ehemaligen befestigten Ort haben sich noch Mauerreste und Türme erhalten, ebenfalls seine Gestalt aus dem Mittelalter in Form eines in die Länge gezogenen Ovals. In seinem Inneren ist das Rathaus mit der wappengeschmückten Fassade beachtlich. Der im XVII. Jahrhundert umgebaute Franziskanerkonvent S. Maria al Prato soll demnächst ein Museum für religiöse Kunst mit Werken aus den Kirchen von Radda und Gaiole aufnehmen.
Wenn man von den beiden Straßen, die nach Panzano führen, die weiter hügelaufwärts gelegene wählt, kommt man nicht weit von Radda zur Ortschaft Volpaia. Sie entstand im Mittelalter als befestigtes Wehrdorf. Die gleichnamige Burg wurde wahrscheinlich im X. Jahrhundert an der Grenze zwischen
Florenz und Siena angelegt. Bestimmt hatte sie mit ihrer strategischen Lage über dem Pesatal eine wichtige Verteidigungsfunktion. Heute besitzt der befestigte Ort einen Teil seiner Mauern nicht mehr, dafür aber immer noch eine schöne Zitadelle am kleinen Hauptplatz und vor allem eine Vielzahl restaurierter Häuschen aus dem Mittelalter. Innerhalb seines Mauerkreises ist auch gut die Kirche von Volpaia zu sehen. Aber das beeindruckendste Gebäude bleibt die Pfründe San Eufrosino, die dem heiligen Bischof orientalischer Herkunft, der den
Chianti bekehrt haben soll, geweiht ist und ihr Aussehen vom XV. Jahrhundert bewahren konnte. Jetzt finden hier Kunstausstellungen und andere Veranstaltungen statt. Unweit von Volpaia, mitten in einer gepflegten Landschaft, steht die romanische Pfarrkirche
Santa Maria Novella die in der Vergangenheit eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Von beachtlichem Interesse sind in ihrem Inneren die präromanischen Kapitelle mit zoomorphen Figuren, die im Gebiet des
Chianti sehr selten anzutreffen sind .... `Chianti` ( Apt
Florenz )