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Chianti - Vor den Toren von Florenz - Den ersten Ort, den man über die Superstrada Florenz-Siena oder die Via Cassia (Staatsstraße Nr. 2, die nur teilweise dem Verlauf der römischen folgt) erreicht, ist San Casciano in Val di Pesa. Dieses jetzige Handels und Landwirtschaftszentrum von einiger Bedeutung entstand auf einem Hügel in der Nähe der alten Pieve Santa Cecilia a Decimo, die bereits in einem Dokument von 1043 erwähnt wird. Das kleine Städtchen zeigt noch Reste der Umfassungsmauern und eine von den Florentinern in der 2. Hälfte des XIV. Jahrhunderts erbaute Zitadelle, womit sie die Vorhutstellung zum Schütze der Stadtrepublik verstärken wollten. Im hoch gelegenen Teil des Ortes ragt die große Kollegiatskirche heraus, die im XVIII. Jahrhundert anstelle einer älteren neu erbaut wurde. Kommt man von Norden, verdient vor San Casciano das Albergaccio di Sant`Andrea in Percussina einen Halt. Hier lebte der große Politologe Niccolö Machiavelli im Exil. Mercatale in Val di Pesa weist nach dem Hauptort San Casciano die dichteste Besiedlung auf. In seiner Umgebung findet man zahlreiche historische Gebäude und viele Kunstschätze. Inzwischen sind einige Werke aus den Kirchen
des Umlandes im Museum für sakrale
Kunst bei der Kirche Santa Maria del Gesü sicher verwahrt und weitere sehenswerte Objekte in der Kirche der Misericordia (oder Santa Maria al Prato) zusammengefaßt, darunter eine wunderschöne Marmorkanzel des Pisaners Giovanni di Balduccio und ein gemaltes Kruzifix, das dem großen Meister Simone Martini zugeschrieben wird. Von den vielen Schlössern und Landsitzen soll das Castello di Gabbiano mit seinen seitlichen Rundtürmen oder das Castello di Bibbione uralter Herkunft erwähnt werden. Nahe beim Ort hat man erst kürzlich ein monumentales Etruskergrab, des Arciere (Bogenschütze) genannt, entdeckt. Auf der Fahrt weiter nach Süden trifft man auf Tavarnelle in Val di Pesa, das seinen Namen von den antiken Tavernen, die entlang der Hauptverbindungsstraße zwischen
Florenz und Siena und damit Rom zur Rast einluden, herleiten kann. Auch sein Gebiet besitzt wie der ganze
Chianti einen besonders reichen Schatz an in der Landschaft verstreuten Bauten: Kirchen, Oratorien, Kapellen, Villen, Gutshöfe. Im Ortskern ist die Kirche Santa Lucia al Borghetto als ein in dieser Zone seltenes Beispiel für die Gotik sehenswert. Die romanische Pieve San Pietro in Bossolo in unmittelbarer Nähe enthält interessante
Kunstwerke Im Kanonikerhaus befindet sich jetzt das Museum für sakrale Kunst untergebracht. Von den Gemälden ist die Meliore zugeschriebene Bildtafel aus dem XIII. Jahrhundert mit der Darstellung der Muttergottes mit dem Jesuskind am wertvollsten. Nicht weit von Tavarnelle steht im Ortsteil Morrocco das 1481 gegründete Karmeliterkloster Santa Maria del Carmine. Ganz sicher lohnt das mittelalterliche Burgdorf San Donato in Poggio einen Besuch. Am kleinen Hauptplatz stehen der Renaissancepalast MalaspTna und die Kirche Santa Maria della Neve. In der Nähe der Ortschaft beherbergt die Pieve San Donato ein schönes Terrakotta-Taufbecken von Giovanni della Robbia. Ungefähr einen Kilometer davon entfernt, erhebt sich das Sanktuarium Santa Maria delle Grazie a Pietracupa aus der Spätrenaissance. Es wurde bei einem Tabernakel, dessen Madonnenbild als wundertätig verehrt wurde, errichtet. Der wichtigste Gebäudekomplex des Gebietes ist die Badia a Passignano. Diese Abtei wurde 1049 vom Vallombrosanerorden gegründet und liegt in einer unvergleichlich schönen Landschaft. Sie bietet sich mit ihrem Glockenturm und ihren Bauten aus verschiedenen Epochen dem Auge wie ein Wehrdorf dar. Die Abtei besitzt auch ein reich ausgestattetes Archiv (fast siebentausend Handschriften) und wertvolle
Kunstwerke Dazu zählen die Fresken von Passignano in der dem Erzengel Michael geweihten Kirche und vor allem das Abendmahl, das Domenico und Davide Ghirlandaio im Refektorium gemalt haben.
Von der Badia a Passignano kann man in Richtung Greve in
Chianti fahren. Der Ort liegt an einer früher wichtigen Straßenkreuzung und entwickelte sich vor allem als Handelszentrum. Der Markt spielte sich rund um den in seiner Dreiecksform ungewöhnlichen Platz mit Laubengängen, auf dem auch heute noch lebhaftes Treiben herrscht, ab. In seiner Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz wird ein Triptychon von Bicci di Lorenzo aufbewahrt. Erst kürzlich eröffnete man das Museum für sakrale Kunst im ehemaligen Franziskanerkloster. Es birgt eine bedeutende Sammlung von Gemälden, Skulpturen, Messgewändern und liturgischem Gerät, ein Beweis für die künstlerische Vitalität des Gebiets von Greve. Der Marktflecken ist von hübschen Ortschaften umgeben. Dazu gehört Montefioralle mit unverputzten Häuschen und Kopfsteinpflaster oder Panzano, in dessen Nähe sich die schöne romanische Pieve San Leolino mit einer fünfbogigen Vorhalle aus dem XVI. Jahrhundert und Kunstwerken im Inneren erhebt. Rund um Greve gibt es auch viele Burgen, die ursprünglich der Verteidigung dienten und jetzt Herrschaftshäuser oder bekannte Weingüter sind: Uzzano. Verrazzano (von hier stammt der berühmte Seefahrer Giovanni da Verrazzano, der Entdecker der Hudson Bay von New York), Vicchiomaggio, Vignamaggio (wo die berühmte Gioconda von Leonardo da Vinci geboren sein soll) oder Lamole. Den Monte San Michele, mit seinen 892 m die höchste Erhebung des
Chianti sollte man wegen seiner landschaftlichen Reize besonders erwähnen.
Südlich von Tavarnelle liegt auf einer Hochebene mit herrlichem Rundblick Barberino Val d`Elsa mit vielen Zeugnissen seines mittelalterlichen Ursprungs. Weite Teile der Stadtmauer, seine Tore (das südliche besitzt noch das ursprüngliche Aussehen vom XIV. Jahrhundert) und mehrere Gebäude, darunter das Rathaus mit Wappen an seiner Fassade, die Pilgerherberge, jetzt Sitz der Stadtbibliothek, und die zu Beginn des XX. Jahrhunderts in neuromantischem Stil umgebaute Kirche San Bartolomeo zählen dazu. An der Straße in Richtung Certaldo stößt man auf die Überreste der 1202 von den Florentinern zerstörten Semifonte-Burg. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde 1597 die achteckige Michaelskapelle ,San Michele Arcangelo` nach den Plänen von Santi di Tito erbaut. Sie nimmt im Kleinformat die Form der Kuppel Brunelleschis des Florentiner Doms auf. Wenige Kilometer weiter kommt man zur wunderschönen romanischen Pieve San Appiano, die im Mittelalter ein höchst bedeutender religiöser Mittelpunkt war. Der Überlieferung nach bekehrte der hl. Appianus als erster die Bewohner des Elsatals. Die vier kreuzförmigen Pfeiler vor dem Gebäude gehörten zur einstigen Taufkapelle. Im kleinen Antiquarium daneben wird in der Nähe gefundenes archäologisches Material aufbewahrt ..... `
Chianti ` ( Apt
Florenz )